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Die Politik der Gesellschaft
Buch

Die Politik der Gesellschaft

Frankfurt am Main, 2000
Diese Ausgabe: Suhrkamp, 2002 Mehr

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Literatur­klassiker

  • Soziologie
  • Moderne

Worum es geht

Politik als System

Politik gilt als schmutziges Geschäft. Politiker sind nur an ihrer persönlichen Macht interessiert, kümmern sich nicht um die Anliegen ihrer Wähler und erst recht nicht um die Versprechen, die sie vor der Wahl abgegeben haben, lautet die weit verbreitete Kritik. Schnell verurteilt man das scheinbar unmoralische Verhalten der Volksvertreter und fordert grundlegende Änderungen. Doch das geht gar nicht, hält der Soziologe und Systemtheoretiker Niklas Luhmann dagegen: Wenn man die Politik als System betrachtet, das sich - wie alle anderen Systeme auch - selbst erhält und steuert, werden viele Phänomene schlüssig, die von außen betrachtet merkwürdig oder gar unmoralisch erscheinen. Niklas Luhmanns Systemtheorie hat gegen Ende des 20. Jahrhunderts die Wissenschaft entscheidend beeinflusst. In dem Buch Die Politik der Gesellschaft, das erst nach seinem Tod veröffentlicht wurde, wendet er diese Theorie auf das politische System an. Seine Analyse ist gewollt wertfrei; Luhmann will nicht kritisieren oder verändern, sondern lediglich die Funktionsweise des politischen Systems beschreiben. Aber gerade dadurch eröffnet er neue, spannende Perspektiven auf ein immer aktuelles Thema.

Zusammenfassung

Politik und Gesellschaft

Traditionell wurden Politik und Gesellschaft als Gegensätze angesehen. Diese Trennung liegt schon im Ursprung des Wortes "Politik" begründet: Im antiken Griechenland wurde mit "pólis" die Stadt bezeichnet, bald auch das öffentliche Zusammenleben in der Stadt, im Unterschied zur häuslichen Gemeinschaft. Die Unterscheidung Politik vs. Gesellschaft wurde im Kern über Jahrhunderte hinweg beibehalten. Fruchtbarer ist es jedoch, Politik und Gesellschaft aus systemtheoretischer Sicht zu betrachten: Die Gesellschaft als Ganzes ist ein soziales System, in dem sich weitere Teilsysteme ausgebildet haben. Das politische System ist eines davon. Systeme erhalten sich selbst, indem sie ihre eigenen Elemente immer wieder neu erschaffen. Soziale Systeme, also auch das politische System, bestehen aus Kommunikation.

Politik und Macht

Macht ist eine Art Rückkopplungsschleife, d. h. sie entsteht dort, wo Gehorsam vorausgesetzt werden kann. Das System der Voraussetzung und Anwendung von Macht erzeugt sich selbst und erhält sich selbst aufrecht, es ist ein autopoietisches System. Dazu muss die Macht dauernd demonstriert werden, sowohl durch Symbole als auch...

Über den Autor

Niklas Luhmann ist einer der wichtigsten Soziologen des 20. Jahrhunderts. Geboren wird er am 8. Dezember 1927 in Lüneburg. Mit 17 Jahren nimmt er als Luftwaffenhelfer am Zweiten Weltkrieg teil und gerät anschließend kurz in amerikanische Gefangenschaft. 1946 beginnt er ein Jurastudium in Freiburg und ist nach dem Referendariat zunächst von 1954 bis 1962 als Verwaltungsjurist tätig. Hier lernt er eine Arbeitsmethode kennen, die sein ganzes Werk prägen wird: der Ablage von Informationen in Zettelkästen. So legt sich Luhmann mit 25 Jahren auch privat einen Zettelkasten an, um eigene Gedanken und wichtige Ideen anderer Autoren zu sammeln. 1960–1961 erhält er ein Stipendium für ein Studium der Soziologie in Harvard, kommt also erst mit über 30 Jahren mit der Wissenschaft in Berührung, die er später wesentlich beeinflussen wird. Ab 1962 ist er Referent an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer, drei Jahre später wechselt er zur Sozialforschungsstelle Dortmund. Erst 1966 promoviert er in Soziologie an der Universität Münster, die Habilitation folgt nur wenige Monate später. Von 1968 bis zu seiner Emeritierung 1993 ist Luhmann Professor für Soziologie an der Universität Bielefeld. Er veröffentlicht zahlreiche Werke, in denen er seine Systemtheorie entwickelt. Als Soziale Systeme erscheint, das erste Hauptwerk und die Grundlage seiner Theorie, ist Luhmann bereits 57 Jahre alt. Die in den folgenden Jahren verfassten Bücher – unter ihnen Titel wie Die Wirtschaft der Gesellschaft (1988), Die Wissen-schaft der Gesellschaft (1990), Das Recht der Gesellschaft (1993) oder Die Realität der Massenmedien (1996) – beziehen diese Theorie auf einzelne Gesellschaftsbereiche. Mit Die Gesellschaft der Gesellschaft erscheint 1997 ein weiteres Hauptwerk Luhmanns. Als 70-Jähriger plant er noch 20 weitere Bücher. Dazu kommt es aber nicht mehr – am 6. November 1998 stirbt Niklas Luhmann in Oerlinghausen bei Bielefeld.


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