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Ivanhoe
Buch

Ivanhoe

London, 1820
Diese Ausgabe: dtv, 2009 Mehr

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Literatur­klassiker

  • Historischer Roman
  • Romantik

Worum es geht

Lebendiges Mittelalter

Als Sir Walter Scotts Roman Ivanhoe 1820 erschien, war das Mittelalter schon seit einiger Zeit schwer in Mode. Ritter- und Schauergeschichten erfreuten sich beim europäischen Publikum ebenso großer Beliebtheit wie alte Balladensammlungen. Doch Walter Scott, der mit seinen historischen Schottlandromanen bereits beachtliche Erfolge erzielt hatte, ging es um mehr als um bloße Kulisse, Schauder und billige Gruseleffekte. Der Edinburgher Anwalt stellte die mittelalterliche Gesellschaft mit ihrer Vielfalt an Ständen und Berufen, Trachten und Dialekten als einen lebendigen Gegenentwurf zur eintönigen Gegenwart dar. In Ivanhoe vermischt er historische Fakten und Fiktion, Dichtung und Wahrheit und beschwört in detailreichen Schilderungen die Atmosphäre längst vergangener Zeiten herauf. Der historische Roman gilt als einer der ersten seiner Art, als Vorbild für ein Genre, das bald in ganz Europa Nachahmung fand. Wer das Buch heute liest, mag über manches Klischee und die mitunter haarsträubende Handlung schmunzeln – gute Unterhaltung findet er allemal.

Zusammenfassung

Sachsenstolz und Normannenhass

In seiner späten Herrschaftszeit gerät König Richard I., genannt Löwenherz, in österreichische Gefangenschaft. Sein Bruder, der unbeständige, ausschweifende Prinz John, hat sich mit König Philipp II. von Frankreich gegen Richard verbündet und hofft, nach dessen Tod selbst den Thron zu besteigen. Mit großzügigen Geld- und Landschenkungen versucht er, sich die Unterstützung des Adels zu sichern. Die eigentliche Macht liegt nämlich bei den normannischen Feudalherren; die angelsächsischen Fürsten und Adligen wurden bis auf wenige Ausnahmen ausgerottet und entmachtet. Die despotischen Edelleute knechten ihre Untergebenen und kümmern sich weder um Gesetz noch um Moral. Das Geld für ihr extravagantes Leben leihen sie sich gegen hohe Zinsen von Juden, die sie fortwährend demütigen und auch mal skrupellos töten, wenn diese ihr Geld zurückfordern. Das Land stöhnt unter der Tyrannei der Normannen, besonders die kleinen Leute leiden.

In Rotherwood im Nordosten Englands lebt der 60-jährige Cedric, ein ebenso freimütiger wie hitziger Haudegen, der aufgrund seiner Abstammung von altem...

Über den Autor

Walter Scott wird am 15. August 1771 als neuntes Kind seiner Eltern in Edinburgh geboren. Als Folge einer Kinderlähmung hat er sein Leben lang ein lahmes Bein. Die frühe Kindheit verbringt er auf dem Hof des Großvaters, wo er die Natur und die schottische Sagenwelt kennen lernt. Bereits mit 13 Jahren beginnt der eifrige Leser ein Jurastudium an der Universität Edinburgh, das er aus gesundheitlichen Gründen jedoch immer wieder unterbrechen muss und erst 1792 abschließt. Nebenbei übersetzt er Werke deutscher Dichter aus der Epoche des Sturm und Drang, gibt eigene Balladensammlungen heraus und schreibt Artikel für verschiedene Zeitungen. 1797 heiratet er Charlotte Carpenter. 1812 zieht der Rechtsanwalt, der inzwischen den Posten des Ersten Sekretärs am Edinburgher Zivilgericht innehat, mit seiner Frau und den vier gemeinsamen Kindern auf das Landgut Abbotsford am Tweed. Hier schreibt er neben mehreren Verserzählungen auch seinen ersten Roman Waverley (1814) der anonym erscheint und im Sturm das Publikum erobert. Mit den Honoraren für die nachfolgenden Schottlandromane baut der Gutsherr, der ab 1820 den Baronetstitel trägt, nach und nach seinen Landsitz aus. In rascher Folge erscheinen Romane wie Die Braut von Lammermoor (The Bride of Lammermoor, 1819), Das Kloster (The Monastery, 1920) oder Kenilworth (1821). Der Zusammenbruch eines Verlagshauses, bei dem er Teilhaber ist, stürzt ihn 1826 in den finanziellen Ruin. Er lehnt jede Hilfe ab und beschließt, sich aus eigener Kraft durch das Schreiben von der immensen Schuldenlast zu befreien. In den kommenden Jahren folgt ein Buch dem nächsten, darunter auch die neunbändige Biografie Das Leben des Napoleon (Life of Napoleon, 1827). Unter dem Arbeitsdruck leidet seine Gesundheit. Nach mehreren Schlaganfällen reist der inzwischen über die Grenzen Schottlands hinaus bekannte Dichter 1831 nach Italien und Malta, wo er unermüdlich weiter an seinen historischen Romanen schreibt. Nachdem er in seine Heimat zurückgekehrt ist, stirbt Walter Scott am 21. September 1832 in Abbotsford an einem erneuten Schlaganfall.


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