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Über die Seele
Buch

Über die Seele

Athen, 322 v. Chr.
Diese Ausgabe: Reclam, 2011 Mehr

Literatur­klassiker

  • Philosophie
  • Griechische Antike

Worum es geht

Ein ganzheitliches Menschenbild

Nach Aristoteles ist unsere Lebenswelt hierarchisch aufgebaut: Auf der untersten Stufe stehen die Pflanzen, die ein rein vegetatives Dasein führen, darauf folgen die Tiere mit ihren sinnlichen Fähigkeiten, und an der Spitze dieses wohlgeordneten Kosmos steht der Mensch, der allein Denkvermögen besitzt. Wie aber gelangen wir zur Erkenntnis? Wie wirken Körper und Geist, Sinneseindrücke und Intellekt zusammen? Aristoteles distanziert sich in dieser Frage klar von seinem Lehrer Platon, der Geist und Körper als voneinander getrennte Einheiten dachte. Er entwickelt in seiner psychologischen Hauptschrift eine eher biologistische, ganzheitliche Betrachtungsweise des Menschen und seiner Seele, in der sinnliche Wahrnehmung und geistige Aktivität aufs Engste miteinander verwoben sind. Mag uns sein Optimismus in Bezug auf die Verlässlichkeit unserer Sinneseindrücke auch naiv erscheinen, so ist seine Verquickung von Materiellem und Mentalem im Licht der heutigen Hirnforschung hochaktuell und liefert Philosophen nach wie vor jede Menge Diskussionsstoff.

Take-aways

  • Aristoteles’ Schrift Über die Seele zählt zu den meistdiskutierten Texten der Philosophiegeschichte.
  • Inhalt: Die Seele ist das Lebensprinzip überhaupt. Sie ist die Vollendung des Körpers, der potenziell die Möglichkeit zu leben besitzt. Erst die Seele macht aus dem Körper ein Lebewesen. Pflanzen, Tiere und Menschen haben unterschiedliche Seelenfunktionen. Der Mensch allein verfügt über Denkvermögen und eine entsprechende Seele.
  • Über die Seele ist nicht Psychologie im heutigen Sinn, sondern eine naturwissenschaftliche Abhandlung.

Über den Autor

Aristoteles wird 384 v. Chr. in Stageira auf der makedonischen Halbinsel Chalkidike geboren. Er entstammt einer angesehenen Familie und hat von früher Jugend an Zugang zum naturwissenschaftlichen Wissen seiner Zeit. Sein Vater ist Leibarzt des makedonischen Königs. Auch Aristoteles soll Arzt werden und beginnt bereits als Jugendlicher seine Studien an Platons Akademie in Athen. Dort verbleibt er fast 20 Jahre, erst als Schüler, später als Forscher und Lehrer. Als nach Platons Tod dessen Neffe Speusippos zum Nachfolger bestimmt wird, verlässt Aristoteles Athen und geht ins kleinasiatische Assos (in der heutigen Türkei) an den Hof des Hermias, eines früheren Mitschülers, mit dem er befreundet ist. Er heiratet dessen Nichte und Adoptivtochter Pythias. Fünf Jahre später, 342 v. Chr., wird Aristoteles zurück an den Hof Philipps von Makedonien gerufen, um den jungen Kronprinzen Alexander, der später als „der Große“ in die Geschichte eingehen wird, zu unterrichten. Nach der Ermordung Philipps wird Alexander 335 v. Chr. makedonischer König, und Aristoteles kehrt nach Athen zurück, wo er das Lykeion gründet. Diese Bildungsstätte wird auch als die Schule der Peripatetiker (Wandelschule) bekannt, weil die Gespräche zwischen Schülern und Lehrern oft beim Spazieren in den schattigen Laubengängen auf dem Schulgelände stattfinden. Aristoteles befasst sich mit fast allen Wissenschaften und Künsten, er verfasst Werke zu so unterschiedlichen Wissensgebieten wie Physik, Chemie, Biologie, Zoologie, Botanik, Psychologie, Politikwissenschaft, Metaphysik, Ethik, Logik, Geschichte, Literatur und Rhetorik und setzt dabei auf mehreren Gebieten wichtige Grundpfeiler für die westliche Philosophie. Nach Alexanders Tod im Jahr 323 v. Chr. muss Aristoteles Athen wegen der starken antimakedonischen Stimmung verlassen. Wie vor ihm Sokrates wird er offiziell der Gottlosigkeit angeklagt. Daraufhin zieht er sich auf das Landgut seiner Mutter in Chalkis auf der griechischen Insel Euböa zurück. Dort stirbt er 322 v. Chr. im Alter von 62 Jahren.


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