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Gespenster
Buch

Gespenster

Kopenhagen, 1881
Diese Ausgabe: Reclam, 2010 más...

Literatur­klassiker

  • Drama
  • Naturalismus

Worum es geht

Und aus dem Keller riechen die Leichen …

Ibsens Stück Gespenster heißt im Original Gengangere, was treffender eigentlich mit „Wiedergänger“ zu übersetzen ist. Gemeint sind: Ideen, Ansichten, Werte, Denk- und Verhaltensmuster aus einer überwunden geglaubten Vergangenheit, die aber in der Gegenwart wirkmächtig bleiben. Jene Gespenster widersetzen sich unserer Erneuerung, sie verhindern, dass wir einer Hoffnung entgegengehen oder altem Schmerz entkommen können. So ergeht es in Ibsens Familiendrama der unglücklichen Helene Alving, die sich verzweifelt nach einem Neuanfang sehnt und doch ohnmächtig mit ansehen muss, wie die schrecklichen Konsequenzen vergangenen Tuns und Lassens auch Jahre später noch nicht gezogen sind. Dieses Motiv, könnte man sagen, ist der geistige Nährwert des Stücks, der bis heute dafür sorgt, dass der Leser einiges zu kauen hat. Die damals skandalträchtigen Ingredienzen (weiblicher Eigenwille, Selbstverwirklichung, außerehelicher Sex, Geschlechtskrankheiten usw.) haben hingegen an Provokationskraft verloren.

Take-aways

  • Mit dem Familiendrama Gespenster provozierte Ibsen den wohl größten Theaterskandal des 19. Jahrhunderts.
  • Inhalt: Die Witwe des verstorbenen Kammerherrn Alving erhält Besuch von ihrem Sohn Osvald, der als Künstler in Paris lebt. Es kommen schreckliche Wahrheiten ans Licht, u. a. dass Osvald schwer krank ist, dass sein Vater ein Lustmolch war und dass Dienstmädchen Regine seine Halbschwester ist.
  • Das Stück steht in der von Ibsen begründeten Tradition des bürgerlichen Realismus.

Über den Autor

Henrik Ibsen wird am 20. März 1828 als ältestes von fünf Geschwistern im norwegischen Skien geboren. Sein Vater ist ein erfolgreicher, aber auch risikofreudiger Geschäftsmann: 1835 geht er in Konkurs, die Familie muss den Ort verlassen. 1844 beginnt der Sohn eine Lehre als Apothekergehilfe in der Küstenstadt Grimstad. Er schreibt Gedichte sowie das Theaterstück Catilina und bereitet sich im Selbststudium auf das Abitur vor, um Medizin studieren zu können. 1850 zieht Ibsen in die Hauptstadt Kristiania (heute Oslo), kommt in Kontakt mit der revolutionären Arbeiterbewegung und schreibt Satiren. Catilina wird gedruckt, 1852 wird Ibsen Hausautor und Regisseur des Norwegischen Theaters in Bergen. 1856 spielt man dort sein nationalromantisches Stück Das Fest auf Solhaug (Gildet paa Solhoug). Ein Jahr später wechselt Ibsen zum Norwegischen Theater nach Kristiania. 1858 heiratet er Suzannah Thoresen, im folgenden Jahr wird Sohn Sigurd geboren. Ibsen engagiert sich für die norwegische Sprache und Kultur, hat aber wenig Erfolg; das Theater macht Bankrott und er gerät in Geldnöte. Ibsen wendet sich von der Nationalromantik ab, sucht sein Glück im Ausland und zieht mit der Familie 1864 nach Rom. Das Drama Peer Gynt von 1867 ist eine kritische Auseinandersetzung mit nationalromantischen Ideen und wird 1876 mit Edvard Griegs Musik am Kristiania-Theater uraufgeführt. 1868 zieht Ibsen mit seiner Familie nach Dresden. 1874 besucht er für einige Wochen sein Heimatland Norwegen und wird dort enthusiastisch begrüßt. Die Familie zieht nach München, dann wieder nach Rom. 1879 vollendet er das Schauspiel Nora oder Ein Puppenheim (Et Dukkehjem), das als Kampfschrift der Frauenemanzipation gelesen wird; zwei Jahre später folgt Gespenster (Gengangere), das wegen seiner provokanten Themen zunächst in Europa nicht aufgeführt wird. 1891 kehrt Ibsen nach Norwegen zurück. Er stirbt am 23. Mai 1906 nach einer Reihe von Schlaganfällen in Kristiania und erhält ein Staatsbegräbnis.


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